Kommentar Rolf Obertreis zum Rückgang von Chinas Firmenkäufen

Temporäre Flaute

  • Rolf Obertreis Foto: Volkmar Könneke
Manchen mag es recht sein: Die Konjunkturflaute und die Belastungen durch den Handelskonflikt mit den USA lassen chinesischen Firmen weniger Geld und Zeit, sich um Übernahmen in Europa und Deutschland zu kümmern.

Damit sinkt die Gefahr, dass sie abkupfern und Know-how deutscher Firmen nutzen, denken vermutlich viele. Umgekehrt sind viele deutsche Unternehmer verärgert, weil sie im Reich der Mitte nicht diese Möglichkeiten haben wie die Chinesen in Deutschland. Die Übernahme einer chinesischen Firma ist faktisch unmöglich.

Tatsache aber ist – unabhängig von solchen Vorbehalten: Die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Deutschland und China werden enger. China ist für die deutschen Autohersteller und Maschinenbauer mittlerweile der größte Absatzmarkt. Am Reich der Mitte, der zweitgrößten Volkswirtschaft, kommt die auf Exporte angewiesene deutsche Wirtschaft nicht vorbei. Deutsche Firmen genießen im Fernen Osten hohes Ansehen. Daher wird die Flaute nur temporär sein und das Engagement der Chinesen wieder zunehmen. Deutsche Firmen haben durchaus ein Interesse an chinesischen Miteigentümern, wie der jüngste Einstieg des Autokonzerns BAIC bei Daimler zeigt. Die oberste Regel lautet: genau prüfen, ob es „passt“ – und das nicht nur auf der Managementebene.
© Südwest Presse 13.08.2019 07:45
145 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.