Trotz besserer Aussichten fallen Stellen weg

Der Maschinenbauer reagiert auf die schwache Nachfrage in Europa und braucht Geld für Investitionen.
  • Dürr-Vorstandschef Ralf Dieter. Foto: Inga Kjer/dpa
Wie an einer Perlenkette aufgereiht veröffentlichen derzeit Automobilzulieferer ihre Zahlen. Meist keine guten. Nun äußerte sich Dürr. Der Maschinen- und Anlagenbauer streicht 600 Stellen im Auto-Geschäft in Deutschland und an anderen Standorten in Europa. Zwar helle sich das Geschäftsklima auf und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern werde am Jahresende positiv sein, heißt es aus Bietigheim-Bissingen. Unterm Strich dürfte aber ein Minus stehen.

Die stärksten Rückgänge gab es im Geschäft mit der Autoindustrie. Dürr stellt unter anderem Lackieranlagen für den Fahrzeugbau her. Während in Asien und Amerika eine Normalisierung des Automotive-Geschäfts absehbar sei, rechnet der Vorstand im gesättigten europäischen Markt mit einer längeren Nachfrageschwäche. Es kam zu Unterauslastung, Einbußen im Service sowie Problemen bei der Auslieferung durch Corona. Das Geschäft werde sich „auch in den kommenden Jahren verhalten entwickeln“, sagte Vorstandschef Ralf Dieter.

„Das China-Geschäft hat im ersten Halbjahr deutlich zugelegt und bildet ein starkes Gegengewicht zu den Corona-bedingten Einbußen insbesondere in Europa“, sagte Dieter. Dürr könne von der starken Nachfrage nach Produktionstechnik für Elektroautos profitieren. Auch in der Umwelttechnik und im Geschäft mit der Möbelindustrie ging der Auftragseingang in China nach oben.

Dürr plant Einsparungen von insgesamt 60 Millionen Euro. Schon am Jahresanfang wurden Maßnahmen zur Kostenreduzierung getroffen. Am größten Standort in Bietigheim-Bissingen soll es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommen, wurde am Donnerstag in einem Gespräch mit Analysten und Journalisten bekannt.

Weltweit beschäftigt das Unternehmen 16 000 Mitarbeiter. „Unser Geschäft und die Wertschöpfung haben sich immer stärker in die Auslandsmärkte verlagert. Daher müssen wir unsere Organisation in Westeuropa anpassen“, sagte Dieter. Mit den Einsparungen gewinne das Unternehmen Spielraum für Investitionen in die Digitalisierung. „Das ist entscheidend, um unsere führende Marktposition langfristig zu sichern.“

Im ersten Halbjahr verzeichnet Dürr einen Rückgang des Auftragseingangs um 23 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro. Der Umsatz sank um 14 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro. Der operative Betriebsgewinn liegt bei 23,7 Millionen Euro, nach Sondereffekten blieben 6,6 Millionen Euro übrig. Zwar sei Dürr mit einer Liquidität von 904 Millionen Euro „finanziell sehr solide aufgestellt“. Nach Steuern verzeichnete Dürr jedoch einen Verlust von 3 Millionen Euro. Thomas Veitinger
© Südwest Presse 31.07.2020 07:45
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