Unternehmen setzen auf die Brennstoffzelle

Von 2030 an könnte die Technologie europaweit bis zu 68 000 Arbeitsplätze schaffen.
  • Neues Wasserstoffkraftwerk in Laage. Foto: Jens Büttner/dpa
Die deutschen Maschinenbauer setzen große Hoffnungen auf die Brennstoffzellen-Technologie. Von 2030 an wird die Brennstoffzelle mehr und mehr Pkw, Nutzfahrzeuge und mobile Maschinen antreiben. „Allein 11 Mrd. EUR Umsatz mit Komponenten für die Brennstoffzelle im Pkw sind im Jahr 2040 in Europa möglich“, sagt Helmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Maschinenbau-Verbandes VDMA. Für die Branche sei das eine große Chance, betonte er. Es könnten in Europa rund 68 000 Arbeitsplätze entstehen. Rauen zufolge haben die deutschen Firmen weltweit eine Führungsposition. „Wir sind hier global noch in der Pole-Position und können in Deutschland und Europa die ganze Wertschöpfungskette abbilden.“

Basis für diese optimistische Einschätzung ist eine Studie der Beratungsfirma FEV. Danach werden ab 2030 zu Elektro- immer mehr Brennstoffzellenfahrzeuge kommen. Vorreiter dürften Japan und Südkorea sein, wo Brennstoffzellenfahrzeuge einen Marktanteil von bis zu 6 Prozent erreichen könnten. In China, in den USA und in Europa würde es langsamer gehen. „Insgesamt wird der Absatz solcher Fahrzeuge von 2030 bis 2040 von 1 Mio. auf 10 Mio. steigen, was einem Marktanteil von 12 Prozent entspricht“, sagt Rauen – ein jährliches Wachstum von 25 Prozent.

Wichtiger Zulieferer ist dabei der Maschinenbau. Das Umsatzpotential beziffert die Studie für die Brennstoffzellen- und die Wasserstoff-Tanksysteme auf rund 75 Mrd. EUR pro Jahr. Die reine Wertschöpfung werde bei mehr als 20 Mrd. EUR liegen, davon 3 Mrd. EUR in Europa.

Von den erwarteten zusätzlichen rund 63 000 Arbeitsplätze entfallen der Studie zufolge 15 000 direkt oder indirekt auf die Fertigung. 2040 würden für fast 8 Mrd. EUR Maschinen und Produktionsanlagen benötigt. Das Potential am gesamten Umsatz mit Brennstoffzellen-Fahrzeuge könne bei 70 Prozent liegen. Dadurch entstünden weitere 5000 zusätzliche Stellen.

Bei der weiteren Entwicklung werden nach Rauens Ansicht schwere Nutzfahrzeuge eine wichtige Rolle spielen. Dort werde sich der Trend zur Brennstoffzelle früher durchsetzen. Als Treiber für die Technologie sieht er aber auch die strengen Emissionsvorschriften in Europa. Auch bei mobilen Maschinen wie Gabelstaplern, Schienenfahrzeugen und im der Schiffsbranche gebe es erhebliche Chancen.

Allerdings ist die Entwicklung der Brennstoffzelle, so Rauen, kein Selbstläufer. Allein für Forschung und Entwicklung müssen die Firmen der Studie zufolge in den nächsten Jahren weltweit rund 5 Mrd. EUR investieren.

Rolf Obertreis
© Südwest Presse 27.06.2020 07:45
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy