Wirtschaft auf Talfahrt

Rund 10 Prozent weniger Bruttosozialprodukt, 6,3 Prozent Arbeitslosigkeit und 6,7 Millionen Menschen in Kurzarbeit: Der Absturz ist heftig. Wie geht es weiter?
  • Arbeitslosenquote in den einzelnen Regionen
Die deutsche Wirtschaft stürzt auf dem Höhepunkt der Corona-Krise ins Bodenlose. Das Bruttoinlandsprodukt sinkt zweistellig  – einmalig in der Nachkriegsgeschichte. Die Folgen für den Arbeitsmarkt halten sich bislang aber in Grenzen. Woran liegt das und wie kommt Deutschland wieder aus der Talsohle?

Wie tief ist der Absturz der Bruttoinlandsprodukts? Es ist im zweiten Vierteljahr gegenüber dem ersten Quartal um 10,1 Prozent gesunken, geht aus einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes hervor. Das war der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen BIP-Berechnungen im Jahr 1970. Selbst auf dem Höhepunkt der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 war das Minus mit 4,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal nur etwa halb so groß. Bereits zum Jahresanfang war die Wirtschaftsleistung gesunken. Deutschland steckt in einer tiefen Rezession. Gegenüber dem zweiten Quartal 2019 brach die Wirtschaftsleistung um 11,7 Prozent ein.

Wie entwickelte sich die Arbeitslosenquote derweil? Die Zahl der Arbeitslosen ist von Juni auf Juli nur in saisonüblicher Höhe gestiegen. Im Juli waren 2,91 Millionen Menschen ohne Job, 57 000 mehr als im Juni und 635 000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote legte um 0,1 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent zu. Der Anstieg sei nicht auf die Corona-Krise zurückzuführen, teilte die Bundesagentur mit. Vor den Sommerferien stellen üblicherweise weniger Betriebe neue Beschäftigte ein und Ausbildungsverhältnisse enden.

Warum wirkt sich die Wirtschaftskrise nur begrenzt auf den Arbeitsmarkt aus? „Der massive Einsatz von Kurzarbeit hat stärkere Anstiege der Arbeitslosigkeit und Beschäftigungsverluste verhindert“, sagte Bundesagentur-Vorstand Daniel Terzenbach. Im Mai waren 6,7 Millionen Menschen in Kurzarbeit, im April 6,1 Millionen. Damit war im Mai die höchste jemals ermittelte Zahl von Kurzarbeitern in der Bundesrepublik erreicht. Im Juli zeigten Unternehmen für 190 000 Menschen Kurzarbeit an.

Wie versucht die Bundesregierung, die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu begrenzen? Sie hat für 2020 und 2021 ein insgesamt 130 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket aufgelegt. Unter anderem wurde die Mehrwertsteuer zum 1. Juli für ein halbes Jahr gesenkt: von 19 auf 16 Prozent und von 7 auf 5 Prozent. Das soll den Konsum als wichtige Stütze der Konjunktur ankurbeln.

Wann kommt Deutschland voraussichtlich aus der Rezession? Volkswirte gehen davon aus, dass der Tiefpunkt erreicht ist. Die wegen des Virus verhängten Einschränkungen für Wirtschaft und Gesellschaft werden seit Mai gelockert. Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung wird es zwei Jahre dauern, bis der Einbruch wettgemacht ist. Die Bundesbank rechnet damit, dass sich die wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr fortsetzen wird. dpa
© Südwest Presse 31.07.2020 07:45
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